Guten Tag liebe Leserin / lieber Leser,
dieser Newsletter dreht sich um „Keller-Gefühle“. Sie erfahren,
- was „Keller-Gefühle“ sind,
- wie sie sich von wahren Gefühlen unterscheiden,
- welche Konsequenzen nicht erkannte „Keller-Gefühle“ haben,
- wie Sie mit Ihren „Keller-Gefühlen“ sinnvoll umgehen
- wie Sie Ihre „Keller-Gefühle“ heilen und
- wie Sie neue „Keller-Gefühle“ vermeiden können.
Definition von „Keller-Gefühlen“
Kommt Ihnen die folgende Situation bekannt vor?
Sie haben mit Ihrer / Ihrem PartnerIn eine kleine Differenz und auf einmal mischt sich noch etwas anderes hinein: Sie sind plötzlich sauer / wütend / enttäuscht / verletzt, wegen einer Situation, die schon mehr oder weniger lange zurückliegt. Ihr/e PartnerIn hat durch ihr / sein Verhalten unbewusst einen Knopf bei Ihnen gedrückt und ein Film mit alten, noch nicht geheilten Verletzungen, Enttäuschungen, Kränkungen läuft bei Ihnen ab, die nicht zwangsläufig mit Ihrer / Ihrem PartnerIn zu tun haben müssen.
Dabei kann es passieren, dass das „Reingemischte“ in den Mittelpunkt tritt, Sie überwältigt, die Kontrolle übernimmt und letztendlich zum großen „Knall“ führt.
In diesem Fall haben „Keller-Gefühle“ die Bühne betreten.
Dieses Beispiel aus der Partnerschaft lässt sich problemlos auch auf andere enge Beziehungen, sowohl private als auch berufliche, übertragen.
„Keller-Gefühle“ sind nicht gelebte, nicht ausgedrückte Gefühle, die aus Ihrer Vergangenheit kommen. Sie wurden in Ihrem Keller abgelegt und warten nur darauf, wieder ans Licht zu kommen. „Keller-Gefühle“ haben mit der Gegenwart nichts zu tun. Sie tauchen zwar in der Gegenwart auf und beeinflussen meist massiv das aktuelle Geschehen, aber SIE verweilen nicht mehr in der Gegenwart. Sie sind innerlich in die Vergangenheit abgewandert, in Ihren Keller gestiegen, wo sich Ihre ungelebten, unbewältigten Gefühle aus der Vergangenheit angesammelt haben und nur darauf warten, aus ihrem Verlies, aus dem Keller aufzusteigen und sich Gehör bei Ihnen zu verschaffen.
Häufig treten „Keller-Gefühle“ ganz plötzlich und unvorhergesehen auf. In dem einen Moment ist das Leben noch in schönster Ordnung und in dem nächsten Moment gerät die Situation aus den Fugen. So, als hätte etwas in uns einen Schalter umgelegt und wir stecken in einem Film unserer Vergangenheit fest.
Ein weiteres Beispiel dafür: Stellen Sie sich vor, dass Sie auf Ihre/n PartnerIn warten. Ihnen geht es gut. Sie rechnen damit, dass Ihr/e PartnerIn jeden Augenblick zur Tür hereinkommt. Die Minuten vergehen. Noch sind Sie gut gelaunt und beschäftigen sich mit einer netten Aktivität. Doch plötzlich, von der einen auf die andere Sekunde ärgern Sie sich und denken, sie / er hätte ja wenigstens einmal anrufen und Sie über die Verspätung informieren können. Auf einmal geht es nicht mehr nur um die Unpünktlichkeit, sondern Sie fühlen sich nicht gesehen, nicht wertgeschätzt und vielleicht sogar nicht mehr geliebt. In Ihrem Kopfkino kreisen so Gedanken, wie „wenn sie / er mich lieben / achten / wertschätzen würde, hätte sie / er mich angerufen, damit ich Bescheid weiß“.
Ist Ihnen schon etwas Ähnliches widerfahren?
Wie sehen Ihre Situationen aus, in denen Ihre „Keller-Gefühle“ von jetzt auf gleich die Macht an sich reißen und das Geschehen bestimmen?
In der Literatur wird in diesem Zusammenhang auch manchmal von Emotionen gesprochen. Da im allgemeinen Sprachgebrauch aber häufig Gefühle und Emotionen synonym verwendet werden, finde ich den Begriff „Keller-Gefühle“ passender, weil er m. E. eindeutig und einprägsamer ist.
Unterscheidung von „Keller-Gefühlen“ und wahren Gefühlen
Ein Unterscheidungskriterium haben Sie schon kennengelernt: „Keller-Gefühle“ kommen immer aus der Vergangenheit, wobei die Vergangenheit Jahre oder nur einen Tag zurückliegen kann.
Nachfolgend finden Sie weitere Kriterien, die Ihnen dabei helfen können, Ihre „Keller-Gefühle“ zu erkennen:
„Keller-Gefühle“ |
„Wahre“ Gefühle |
„Keller-Gefühle“ kommen aus der Vergangenheit |
Wahre Gefühle werden in der Gegenwart erlebt |
Sie fühlen sich von Ihrer / Ihrem PartnerIn entfremdet |
Sie empfinden Nähe zu Ihrer / Ihrem PartnerIn |
Sie ziehen sich zurück |
Sie sind offen |
Sie werden überwältigt |
Sie sind erfüllt |
„Keller-Gefühle“ hängen fest und werden oft wiederholt |
Wahre Gefühle bewegen sich weiter und entstehen immer wieder neu |
Sie geben Ihrer / Ihrem PartnerIn die Schuld an der Misere |
Sie übernehmen Ihren Teil der Verantwortung für die Situation |
Sie fühlen sich als Opfer |
Sie suchen gemeinsam nach einer Lösung |
Sie machen Ihrer / Ihrem PartnerIn Vorwürfe und wollen dass sie / er sich ändert |
Sie akzeptieren Ihre/n PartnerIn so, wie sie / er ist |
Sie fühlen sich abgelehnt und alleingelassen |
Sie fühlen sich angenommen und willkommen |
Sie wollen sich rächen und Ihrer / Ihrem PartnerIn weh tun |
Sie sind liebevoll mit Ihrer / Ihrem PartnerIn |
Sie reagieren unbewusst |
Sie reagieren bewusst |
Sie klagen Ihre/n PartnerIn an und sagen z.B. |
Sie sprechen über sich selbst und sagen, was Sie brauchen, was Sie sich wünschen |
Sie reagieren aus dem Ego |
Sie reagieren aus dem Herzen |
„Keller-Gefühle“ entspringen Ihrer Angst |
Wahre Gefühle entspringen Ihrer Liebe |
Welche Reaktionen löst das Lesen dieser Unterscheidungsmerkmale bei Ihnen aus?
Finden Sie Ihr Verhalten auch bei den beschriebenen „Keller-Gefühlen“ wieder?
Sind Ihnen „Keller-Gefühle“ vertraut?
Wenn ja, in welchen Situationen treten sie vermehrt auf?
Welche Verletzungen, Enttäuschungen sind bei Ihnen als „Keller-Gefühle“ abgespeichert und wollen von Ihnen beachtet und geheilt werden?
Wie reagieren Sie, wenn Ihre „Keller-Gefühle“ aufgetaucht sind?
Übernehmen Ihre „Keller-Gefühle“ die Regie und bestimmen das weitere Geschehen oder behalten Ihr Herz und Ihre Vernunft trotzdem die Oberhand und Sie erkennen, was gerade passiert?
Konsequenzen nicht erkannter „Keller-Gefühle“
Die Konsequenzen von nicht erkannten „Keller-Gefühlen“ wurden im Ansatz schon weiter oben beschrieben.
Sobald der Schalter umgelegt ist, übernehmen die „Keller-Gefühle“ die Regie. Es ist dann ein bisschen so, als ob die Weichen umgestellt wurden und der Zug automatisch in eine bestimmte Richtung – in Richtung Eskalation - fährt. Und solange die „Keller-Gefühle“ noch im Untergrund wirken und nicht geheilt sind, werden sie immer wieder auftauchen und Situationen vergiften.
Kennen Sie diesen Schalter bei sich auch?
In welche Richtung fährt Ihr Zug, nachdem der Schalter umgelegt wurde?
Haben Sie dann noch Handlungsfreiheit oder übernimmt Ihr Autopilot Ihre Steuerung?
Wie fühlt es sich an, wenn Ihr Autopilot die Kontrolle der Situation an sich gerissen hat?
Das Gift der „Keller-Gefühle“ besteht darin, dass unsere Reaktion, unser Verhalten in keinem Verhältnis zu der aktuellen Situation stehen. Wir schießen mit Kanonen auf Spatzen und bombardieren andere Menschen mit unseren Beschuldigungen und Vorwürfen.
Unsere „Keller-Gefühle“ sind wie ein Vulkan, dessen Magma in unserem Inneren wild brodelt und bei jeder Gelegenheit ausbricht. Die glühende Lava ergießt sich auf die Umstehenden und verletzt sie mehr oder weniger stark, je nachdem, wie heiß unsere Lava ist und inwieweit sich die Umstehenden schützen können.
Das Tragische an den „Keller-Gefühlen“ ist, dass wir sie über Menschen ergießen, die uns am nächsten stehen und am liebsten sind. Die Menschen, die wir am meisten lieben, verletzen wir am stärksten. Bei Menschen, die in unserem Leben eher eine Nebenrolle spielen, tauchen „Keller-Gefühle“ i. d. R. kaum oder gar nicht auf.
Hat Ihre Lava ein „bevorzugtes“ Ziel?
Wer muss unter Ihren „Keller-Gefühlen“ am meisten „leiden“?
„Keller-Gefühle“ sind für Beziehungen so gefährlich, weil sie bei jedem Auftauchen einen kleinen Kratzer in der Zuneigung, in der Liebe hinterlassen können. Und wenn Sie Ihre „Keller-Gefühle“ nicht als solche erkennen, stehen Sie vielleicht irgendwann vor den Scherben einer Beziehung und fragen sich, was passiert ist.
Wie fühlen Sie sich, wenn ein nahestehender Mensch seine „Keller-Gefühle“ an Ihnen auslässt?
Wie reagieren Sie dann?
Auf welche Beziehung sollten Sie vermehrt achten, damit Sie sie nicht mit „Keller-Gefühlen“ weiter „vergiften“?
Sinnvoller Umgang mit „Keller-Gefühlen“
Erster Schritt: Erkennen
Der erste Schritt zum sinnvollen Umgang mit Ihren „Keller-Gefühle“ ist, sich ihrer bewusst zu werden und zu erkennen, dass diese gerade die Regie übernehmen. Das braucht vielleicht ein bisschen Übung. Dabei können Sie die oben aufgeführten Unterscheidungsmerkmale unterstützen.
Was sind für Sie die wichtigsten Erkennungsmerkmale für Ihre „Keller-Gefühle“?
Zweiter Schritt: Mitteilen
Teilen Sie als nächstes dem Menschen, der momentan mit Ihnen in Kontakt ist, mit, dass bei Ihnen gerade „Keller-Gefühle“ aufgetaucht sind und diese nichts mit ihm zu tun haben.
Da bei „Keller-Gefühlen“ Ihr Ego aktiv ist, was immer Recht haben möchte und Ihren Zugang zu Ihrem Herzen mehr oder weniger stark abschneidet, kann es sein, dass dieses Eingeständnis eine große Herausforderung für Sie darstellt. Machen Sie es trotzdem. So kommen Sie aus Ihrer Opferrolle heraus, übernehmen wieder selbst die Verantwortung für Ihr Verhalten und Ihr Wohlbefinden. Für den anderen Menschen (der Einfachheit halber PartnerIn genannt) ist es sehr entlastend, wenn er versteht, was gerade bei Ihnen passiert und weiß, dass ihn keine Schuld trifft.
Dritter Schritt: Rückzug
Ziehen Sie sich für eine Weile zurück, nachdem Sie dies Ihrer / Ihrem PartnerIn mitgeteilt haben. Suchen Sie sich einen Ort, an dem Sie für eine Weile ungestört sind.
Haben Sie einen Ort, an dem Sie sich rundherum wohlfühlen?
Was wäre in einem solchen Moment ein guter Platz für Sie?
Es ist ganz elementar, dass Sie sich an diesem Punkt von Ihrer / Ihrem PartnerIn räumlich distanzieren, nachdem Sie ihr / ihm Ihre Beweggründe erläutert haben. Ansonsten besteht die Gefahr, dass Ihre „Keller-Gefühle“ Ihrer / Ihren PartnerIn sehr verletzen.
Vierter Schritt: Wieder bei sich ankommen
Es ist sehr hilfreich, wenn Sie für eine längere Zeit körperlich aktiv werden. Durch starke körperliche Bewegung können Sie sich abreagieren und die negative Energie der „Keller-Gefühle“ aus Ihrem Körper ausleiten. Dazu können Sie beispielsweise:
- joggen
- wild tanzen
- Seilhüpfen
- auf ein Kissen schlagen
- Gartenarbeit verrichten
Welche körperlichen Aktivitäten fallen Ihnen sonst noch ein?
Welche Bewegungsform würde Ihnen in so einem Fall guttun?
Probieren Sie doch bei passender Gelegenheit einmal folgende Zentrierungsübung aus:
Stellen Sie sich hin. Heben Sie Ihre Arme beim Einatmen nach oben. Lassen Sie beim Ausatmen Ihre Arme wieder nach unten sinken. Beim zweiten Einatmen heben Sie wieder Ihre Arme nach oben. Beim zweiten Ausatmen ballen Sie Ihre Hände zu Fäusten und ziehen sie mit einem lauten „ha“ kraftvoll zum Hara-Punkt (dieser befindet sich eine Handbreit unter dem Bauchnabel). Danach beginnen Sie wieder von vorne. Machen Sie diese Übung so lange, bis Sie das Gefühl haben, wieder in Ihrer Mitte angekommen sein. (Der Begriff „Hara-Punkt“ kommt aus Japan. In der „Hara-Lehre“ ist er das Zentrum der Persönlichkeit, also Ihre „Mitte“.)
Sie können die Ausleitung der negativen Energie noch dadurch unterstützen, indem Sie viel stilles Wasser trinken. Das wirkt entgiftend.
Achten Sie außerdem auf Ihren Atem. Auch und gerade in schwierigen Situationen, bei unangenehmen Gefühlen sollten Sie tief ein- und auszuatmen. Dadurch bleiben Sie mit Ihren Gefühlen im Kontakt und können diese schneller „verarbeiten“.
Schauen Sie, ob Sie sich zusätzlich noch auf andere Weise etwas Gutes tun können.
Vielleicht ist es hilfreich, wenn Sie sich innerlich selbst in den Arm nehmen und / oder wenn Sie zu sich selbst sagen, dass Sie liebenswert / hübsch / intelligent etc. sind. Sagen Sie sich den für Sie passenden Satz so lange, bis es Ihnen besser geht, im Idealfall, bis Sie es selbst glauben. Denn im Endeffekt ist es nur wichtig, was Sie von sich halten.
Womit könnten Sie sich etwas Gutes tun?
Welcher Satz wäre für Sie passend und heilsam, wenn Sie in Ihre „Keller-Gefühle“ gerutscht sind?
Wenn Sie in der oben beschriebenen Weise aktiv werden, kann es passieren, dass Sie eine (Schutz-)Schicht freilegen und eine Flut bislang nicht ausgedrückter Gefühle an die Oberfläche steigt. Das mag sehr schmerzhaft sein, aber es ist genau das, was Ihr Unterbewusstsein möchte und was für eine Heilung erforderlich ist.
So kommen Sie mit Ihren ursprünglichen Gefühlen, die sich unter den „Keller-Gefühlen“ verbergen, wieder in echten Kontakt. Ihre „Keller-Gefühle“ können geheilt werden, indem Sie die ursprünglichen Gefühle jetzt annehmen, fühlen, erleben und durchatmen. Sie können Ihre „Keller-Gefühle“ - all Ihre Verletzungen, Ihre Enttäuschungen, Ihre Wut etc. - auch körperlich (z. B. durch das Schlagen auf ein Kissen) oder verbal (z. B. in Form eines Tagebucheintrages) ausdrücken.
Durch das Fühlen Ihrer ursprünglichen Gefühle befreien Sie Ihre „Keller-Gefühle“. „Keller-Gefühle“ werden zu „wahren“ Gefühlen, Wunden aus der Vergangenheit heilen.
Fünfter Schritt: Zurückkehren
Wenn Sie merken, dass Ihre „Keller-Gefühle“ wieder verschwunden sind und sie sich im Idealfall ein Stück weit aufgelöst haben, können Sie wieder zu Ihrer / Ihrem PartnerIn zurückkehren.
Wenn Sie beim Kontakt allerdings merken, dass Sie noch Ressentiments haben und sich weiterhin entfremdet fühlen, ist das ein Zeichen dafür, dass Sie sich noch einmal zurückziehen sollten und noch nicht ganz wieder bei sich angekommen sind.
Woran würden Sie erkennen, dass noch restliche „Keller-Gefühle“ bei Ihnen aktiv sind?
In diesem Falle sind noch einige Aktivitäten aus dem vierten Schritt angeraten.
Wenn Sie im Kontakt mit Ihrer / Ihrem PartnerIn wieder Ihr Herz, Nähe und die Verbindung spüren können, freuen Sie sich! Wenn es sich für Sie richtig anfühlt, können Sie Ihrer / Ihrem PartnerIn erzählen, was gerade bei Ihnen passiert ist.
„Keller-Gefühle“ heilen
Damit Sie nicht sehnsüchtig darauf warten müssen, dass Ihre „Keller-Gefühle“ endlich auftauchen, damit Sie diese heilen können, möchte ich Sie gerne zu einer Art prophylaktischen, kleinen Heilungsarbeit für Ihre „Keller-Gefühle“ einladen. Diese können Sie machen, auch wenn Ihre „Keller-Gefühle“ gerade nicht vorhanden sind.
Ziehen Sie sich für eine Weile an einen Ort zurück, an dem Sie sich wohlfühlen und ungestört sind. Versetzen Sie sich in eine Situation Ihrer Vergangenheit, wo Sie Verletzungen davongetragen haben, die noch nicht geheilt sind. Nehmen Sie all Ihren Mut zusammen und lassen Sie die bislang ungelebten Gefühle nun zu. Erlauben Sie sich, all den Schmerz jetzt zu fühlen und so auszudrücken, wie es in der Vergangenheit nicht möglich war: Weinen Sie, schreien Sie, schlagen Sie auf ein Kissen ein, nehmen Sie sich selbst in den Arm. Es kann außerdem sehr heilsam sein, wenn Sie der Person, die zu Ihrer Verletzung, Ihrem Schmerz, Ihrer Trauer beigetragen hat, einen Brief schreiben und auf liebevolle, wertschätzende Weise von Ihren Gefühlen berichten. Achten Sie beim Schreiben darauf, dass Sie dem anderen Menschen keine Vorwürfe machen, sondern von sich und Ihren Gefühlen, Ihren Verletzungen sprechen. Anschließend können Sie sich überlegen, ob Sie der Person den Brief aushändigen oder ob Sie ihn für sich behalten.
Auch hier befreien Sie durch das wirkliche Erleben Ihrer ursprünglichen Gefühle Ihre „Keller-Gefühle“ und Ihre Verletzungen können heilen.
Neue „Keller-Gefühle“ vermeiden – Gefühle im Hier und Jetzt ausdrücken
Wie schon einmal erwähnt, sind „Keller-Gefühle“ Gefühle, die in der Vergangenheit nicht gelebt und ausgedrückt wurden, wobei die Vergangenheit mehrere Jahre oder auch nur einen Tag zurückliegen kann.
Wenn Sie - aus welchen Gründen auch immer - vorhandene Gefühle unterdrücken, ist es so, als würden Sie Rabattmarken sammeln. Sie sammeln und sammeln und sobald das Rabatt-markenblatt voll ist, lösen Sie es ein: Ihre „Keller-Gefühle“ steigen ans Tageslicht und übernehmen die Regie.
Haben Sie bevorzugte Rabattmarken?
Welche Gefühle möchten Sie am liebsten nicht erleben und gerne im Keim ersticken?
Sie können permanent dazu beitragen, dass Sie keine neuen „Keller-Gefühle“ ansammeln.
Dafür ist es elementar, dass Sie i. d. R. Ihre Gefühle genau dann fühlen, wenn Sie auftauchen. Wahre Gefühle sind, wenn sie wahrgenommen, angenommen, gefühlt und ausgedrückt werden, sehr kurzlebig. Sie tauchen wie eine Welle auf, sind für einige Minuten (sehr) intensiv und flachen danach wieder ab. Vielleicht taucht einige Stunden später eine weitere Welle auf, aber auch diese flacht nach einigen Momenten wieder ab, wenn Sie Ihre Gefühle akzeptieren und fühlen. Gefühle verschwinden oft in dem Moment, in dem wir sie nicht mehr verdrängen oder verändern wollen, sondern sie annehmen und mit ihnen mitfließen. Das ist wie bei Kleinkindern: Kleinkinder fallen hin, hauen sich die Knie auf und schreien. Wenn sie plötzlich irgendwo etwas Interessantes sehen, ist ihr Schmerz blitzartig wieder vergessen, weil er gefühlt und ausgedrückt wurde und sie schauen neugierig in die Welt.
Haben Sie diese Erfahrung auch schon gemacht?
Wenn ja, wie war das für Sie?
Wie haben Sie das erreicht? Was haben Sie dazu beigetragen?
Wichtig beim Erleben von Gefühlen ist, dass Sie weiteratmen. Eine häufige Reaktion bei unangenehmen Gefühlen ist, dass wir den Atem anhalten bzw. flacher atmen, weil wir die Gefühle nicht erleben wollen. Auf diese Weise werden Gefühle nicht durchlebt, nicht verarbeitet und werden zu „Keller-Gefühlen“. Atmen Sie deshalb auch bei unangenehmen Gefühlen tief weiter.
Wie ist Ihr Atem, wenn schwierige, negativ empfundene Gefühle in Ihnen auftauchen?
Können Sie sich vorstellen, in solchen Situationen bewusst tief ein- und auszuatmen und den Gefühlen so den erforderlichen Raum zu geben?
Gerne möchte ich Sie dazu ermuntern, auch bei unerwünschten Gefühlen noch tiefer in Ihren Bauch und Ihre Brust einzuatmen. Dabei kann förderlich sein, wenn Sie sich an einen sicheren Platz zurückziehen, wo Sie ungestört und geschützt Ihre Gefühle erleben können. Vielleicht ist es zusätzlich hilfreich, wenn ein Mensch bei Ihnen ist, der Sie liebevoll unterstützt: der Ihnen zuhört, der Sie weinen lässt, der Sie in den Arm nimmt und der all die Gefühle da sein lassen kann, die gerade bei Ihnen auftauchen.
Wenn Sie es schaffen, Ihre Gefühle kommen und gehen zu lassen und mit ihnen mitzufließen, sind Sie auf einem guten Weg.
Zum Abschluss habe ich noch eine – hoffentlich - anregende Metapher für Sie:
Stellen Sie sich vor, Sie sitzen an einem schönen Teich. In diesem Teich sind bunte und dunkle Fische. Die bunten Fische stehen für Ihre schönen Gefühle. Die dunklen Fische repräsentieren Ihre unangenehmen Gefühle. Während Sie an dem Teich sitzen, springen bunte Fische und dunkle Fische aus dem Wasser. Und Sie versuchen nicht, einen Fisch festzuhalten oder wieder schneller ins Wasser zu drücken, denn das ist sowieso ein unmögliches Unterfangen. Sie schauen einfach nur den bunten und dunklen Fischen zu. Und nach den dunklen kommen auch irgendwann wieder bunte Fische. Mit diesem Bewusstsein sitzen Sie entspannt am Teich, beobachten gelassen das Treiben der Fische und fließen im Strom des Lebens mit.
Ist das nicht ein schönes Bild?
In diesem Sinne verabschiede ich mich für den Moment und freue ich mich, wenn Sie mir von Ihrem Umgang mit Ihren „Keller-Gefühle“ und Ihren Erfolgen berichten.
Für Fragen und Anregungen stehe ich Ihnen gerne zur Verfügung. Sie können mich unter goetze@gopal-training.de erreichen.
Der nächste Newsletter erscheint im Januar 2011. Bis dahin ich wünsche Ihnen eine gefühlvolle Zeit.![]()
Herzliche Grüße
Myriam Götze
Geschäftsführende Inhaberin, Dipl. Betriebsw. (FH)
G.o.p.a.L. Training & Coaching e.K.
Waldheimer Straße 22
63165 Mühlheim am Main
Telefon 06108 823640
Mobil 0179 6675451
Telefax 06108 823641
E-Mail: goetze@gopal-training.de
Internet: www.gopal-training.de
HRA 40549, Amtsgericht Offenbach
USt-IdNr. DE222509293
Dieser Newsletter ist gratis und kann von Ihnen abonniert werden.
Die Druckversion können Sie sich im Newsletter-Archiv herunterladen. Alle früheren Newsletter finden Sie unter www.gopal-training.de/html/news_archiv.html.
