Aktueller Newsletter ...

Guten Tag liebe Leserin / lieber Leser,

dieser Newsletter handelt vom adäquaten Spiegeln. Sie
- lernen drei Möglichkeiten des Spiegelns kennen,
- erfahren durch eine Übung die drei Spiegelungsarten,
- erkennen Anwendungsmöglichkeiten vom adäquaten Spiegeln und
- erhalten Tipps zum adäquaten Spiegeln. 

Wie Sie vielleicht schon in meinem Newsletter Präsentsein durch die Übung mit der Mathematikaufgabe erfahren haben, ist es nicht besonders angenehm, wenn die / der GesprächspartnerIn nicht wirklich anwesend ist. (Weitere Informationen zum Thema „Präsentsein“ finden Sie in meinem letzten Newsletter vom August 2011 unter http://www.gopal-training.de/index.php/newsletter/newsletter-archiv.) 

Da Präsentsein und richtiges Zuhören anspruchsvolle Fähigkeiten sind, kann es leider relativ leicht passieren, dass wir nur mit halbem Ohr zuhören. Das zeigt sich zum Beispiel in der abgewandten Körpersprache oder im nicht vorhandenen Blickkontakt.

Das haben Sie bestimmt auch schon erlebt, oder?
Und Hand aufs Herz: Wie oft sind wir selbst nicht vollständig präsent, wenn uns jemand etwas erzählt?

Das ist nicht besonders wertschätzend und schadet sowohl unserem momentanen Gesprächsziel als auch auf Dauer der Beziehung zu unseren GesprächspartnerInnen.

Drei Möglichkeiten, Ihre GesprächspartnerInnen zu spiegeln

Es gibt drei Arten von Spiegelungen:
Leeres Spiegeln, verzerrtes Spiegeln sowie adäquates Spiegeln.

Leeres Spiegeln

Beim leeren Spiegeln reagiert die / der ZuhörerIn überhaupt nicht. Sie / er ist zwar körperlich anwesend, verzieht aber keine Miene und sendet keine nonverbalen Signale, um die / den SprecherIn zum Weiterreden zu ermuntern. Beim Fernsehgucken mag das angebracht sein, aber es hält die / den GesprächspartnerIn vermutlich davon ab, (gerne) weiterzureden. Leeres Spiegeln kann aber auch bedeuten, dass die / der ZuhörerIn sogar den Raum verlässt.

Welche Variante des leeren Spiegelns haben Sie schon am eigenen Leib erfahren?
Wie hat sich das angefühlt?

Haben Sie auch schon erlebt, dass Ihr/e GesprächspartnerIn im Gespräch aus dem Raum gegangen ist?
Im beruflichen Umfeld mag das eher unwahrscheinlich sein. Aber was ist mit Ihrer Partnerschaft?
Wenn ja, wie ist es Ihnen damit ergangen?
Wie haben Sie darauf reagiert?

Verzerrtes Spiegeln

Beim verzerrten Spiegeln reagiert die / der ZuhörerIn entweder übertrieben oder spielt das Gesagte herunter.

Stellen Sie sich vor, Sie erzählen einem Kollegen, dass Sie gerade noch den letzten Parkplatz vor dem Konferenzzentrum ergattert haben. Ihr Kollege sagt darauf zu Ihnen: „Das ist ja tooooooll, super. Ich freue mich sehr für Sie.“

Wie fühlt sich das für Sie an?

Für mich hinterlässt es einen faden Nachgeschmack und ich würde stark infrage stellen, ob es der Kollege wirklich ernst meint.

Malen Sie sich nun einmal aus, dass Sie eine zweiwöchige, wunderschöne Fernreise mit allem Drum und Dran gewonnen haben. Sie erzählen einer Freundin davon und diese sagt: „Nett.“ Oder „Och, mach’ dich nicht so wichtig.“

Wie würde es Ihnen damit gehen?
Hätten Sie noch Lust, Ihrer Freundin mehr von Ihrer gewonnenen Reise zu erzählen?

Bei der dritten Variante des verzerrten Spiegels nutzt die / der ZuhörerIn das eingebrachte Thema als Steilvorlage, um von sich selbst zu sprechen.

Hier dazu ein Beispiel: Sie erzählen einer Kollegin, welche Probleme in Ihrem aktuellen, internationalen Projekt mit den ProjektpartnerInnen in Asien aufgetreten sind und dass Sie derzeit gar nicht wissen, wie Sie diese bewältigen sollen. Darauf antwortet Ihre Kollegin, dass auch sie Schwierigkeiten hat, ihre Projektziele zu erreichen, weil unvorhergesehene Verzögerungen eingetreten sind.

Wie würden Sie das erleben?
Was würden Sie in so einer Situation denken bzw. sagen?
Inwieweit sehen Sie diesen Kommentar überhaupt als verzerrtes Spiegeln an?

Das verzerrte Spiegeln ist in diesem Beispiel vielleicht noch nicht so offensichtlich. Die Kollegin hat zwar nicht direkt vom Thema abgelenkt, aber sie hat auch nicht auf Ihre Schwierigkeiten und Sorgen reagiert. Von einer gelungenen Kommunikation kann man hier nicht sprechen.

Machen wir es doch ein bisschen drastischer und Ihre Kollegin antwortet in der oben aufgeführten Situation mit dem internationalen Projekt: „Asien, wie toll. Da wollte ich immer schon einmal einen Urlaub verbringen.“

Was ist damit?
Wie würden Sie sich nun fühlen?
Wie würden Sie reagieren?

Adäquates Spiegeln

Die dritte Spiegelungsart ist das adäquate Spiegeln. Beim adäquaten Spiegeln ist die / der ZuhörerIn vollkommen präsent und gibt mit eigenen Worten wieder, was sie / er verstanden und vor allem was sie / er an Gefühlen bei ihrer / seiner GesprächspartnerIn wahrgenommen hat. 

Ziel des adäquaten Spiegelns ist es, die Welt Ihrer Gesprächspartnerin / Ihres Gesprächspartners durch ihre / seine Augen zu sehen. Sie konzentrieren sich hierbei weniger auf das Gesagte, sondern mehr auf das Gemeinte und darauf, was bei der / dem SprecherIn an Gefühlen mitschwingt. Das bedeutet, dass Sie versuchen, wahrzunehmen und widerzuspiegeln, wie sich die / der Sprechende in der entsprechenden Situation fühlt beziehungsweise gefühlt hat.

Als ZuhörerIn stellen Sie Ihre/n GesprächspartnerIn in den Fokus. Sie nehmen die Gefühle und Probleme des anderen wahr, nehmen sie ernst und akzeptieren sie, auch wenn sie von Ihrer eigenen Meinung oder Empfindung möglicherweise stark abweichen. Sie stellen Ihre eigenen Meinungen, Erfahrungen und Interessen für den Moment zurück. Später oder bei anderer Gelegenheit können Sie Ihre Wünsche und Ziele äußern.

Auf diese Weise tragen Sie viel zum Erfolg einer vertrauensvollen Beziehung und zu einer gelungenen Kommunikation bei.

Übung zu den drei Spiegelungsarten

Damit Sie über die Unterschiede der drei Spiegelungsarten nicht nur lesen, sondern sie auch selbst erfahren können, möchte ich Sie gerne zu einer kleinen, dreiteiligen Übung einladen:
Suchen Sie sich eine/n GesprächspartnerIn Ihres Vertrauens und stellen Sie ihr / ihm die drei verschiedenen Spiegelungsarten vor. Denken Sie sich mehrere Themen aus, über die Sie reden möchten. Sie können auch bei jeder Spiegelungsart über das gleiche Thema sprechen.

- Beginnen Sie, Ihrer / Ihrem GesprächspartnerIn nun etwas zu erzählen. 
  Ihre / Ihr GesprächspartnerIn spiegelt Sie leer. Nehmen Sie wahr, wie es Ihnen damit ergeht.
- Danach erzählen Sie Ihrer / Ihrem GesprächspartnerIn erneut etwas.
  Ihre / Ihr GesprächspartnerIn spiegelt Sie verzerrt. Nehmen Sie auch hier wahr, wie es Ihnen geht.
- Zu guter Letzt  erzählen Sie Ihrer / Ihrem GesprächspartnerIn noch etwas.
  Ihre / Ihr GesprächspartnerIn spiegelt Sie adäquat. Nehmen Sie wahr, wie sich das für Sie anfühlt.

Wenn Sie möchten, können Sie anschließend die Rollen wechseln und Ihre Erfahrungen austauschen.

Wie ist es Ihnen bei der Übung ergangen?
Welche neuen Erkenntnisse haben Sie gewonnen?
Was bedeutet das für Ihr Kommunikationsverhalten?
Worauf werden Sie bei Ihrem nächsten Gespräch achten?

Anwendungsmöglichkeiten zum adäquaten Spiegeln

Sie können adäquates Spiegeln beispielsweise in folgenden Situationen anwenden:

- In konfliktreichen Situationen
- In emotionalen Situationen
- In Situationen, in denen die / der SprecherIn Ihnen etwas erzählt, was für sie / ihn von großer 
  Bedeutung ist
- Immer dann, wenn die Beziehung im Vordergrund steht
- …

Welche Anwendungsmöglichkeiten fallen Ihnen noch ein?
Wo würden Sie adäquates Spiegeln einsetzen?

Tipps zum adäquaten Spiegeln

Zum Abschluss habe ich noch einige Tipps für Sie zusammengefasst.

Indem Sie die Sachaussage Ihrer GesprächspartnerInnen mit eigenen Worten wiederholen, zeigen Sie Interesse und Ihre GesprächspartnerInnen können überprüfen, ob alles richtig bei Ihnen angekommen ist und etwaige Missverständnisse korrigieren.

Sie können Ihre Sätze beispielsweise wie folgt beginnen:
- „Habe ich Sie richtig verstanden ...?"
- „Du meinst also …?“
- „Bei mir ist angekommen …“
- …

Damit Sie die Gefühle Ihrer GesprächspartnerInnen erfassen können, ist es wichtig, dass Sie aufmerksam zuhören. Versuchen Sie, sich in die Situation und das Befinden Ihrer GesprächspartnerInnen hineinzuversetzen.

Folgende Fragen können Ihnen dabei helfen:
- Welches Gefühl mag in meiner / meinem GesprächspartnerIn stecken?
- Was verbindet meine / mein GesprächspartnerIn damit?
- Welcher Wunsch steckt hinter der Äußerung?
- Wie würde ich mich an ihrer / seiner Stelle fühlen? 

Die von Ihnen vermuteten Gefühle Ihrer Gesprächspartnerin / Ihres Gesprächspartners können Sie zum Beispiel folgendermaßen ansprechen:
- „Ich habe das Gefühl, Sie sind verärgert.“
- „Du bist sehr verletzt, oder?“
- „So wie ich dich gerade wahrnehme, hat es dich ziemlich umgehauen. Ist das richtig?“
- …

Abschließend noch ein paar allgemeine Tipps zum adäquaten Spiegeln:
- Hören Sie aufmerksam, mit ehrlichem Interesse, ohne Wertungen und ohne Lösungsvorschläge zu.
- Stellen Sie nur Fragen, um die / den SprecherIn tiefer zum Thema zu führen, sodass die / der 
  SprecherIn die Möglichkeit bekommt, ihre / seine Gefühle tiefer zu erkunden. Andere Fragen (z. B.
  Interessenfragen Ihrerseits   führen die / den SprecherIn weg von dem ursprünglichen Thema.
- Denken Sie daran, dass Sie im Augenblick die / der ZuhörerIn sind. Halten Sie sich deshalb mit Ihren
  Äußerungen für den Moment zurück. Später oder bei anderer Gelegenheit sind Sie wieder dran.
- Gehen Sie nicht automatisch davon aus, dass Sie die Aussagen und die Gefühle Ihrer 
  GesprächspartnerInnen richtig interpretiert haben. Holen Sie sich zwischendurch immer mal wieder
  Bestätigungen ein.

 

Ich wünsche Ihnen viel Erfolg beim adäquaten Spiegeln sowie schöne, vertrauensvolle Beziehungen.

Ich freue mich, wenn Sie mir von Ihren Erfahrungen berichten.

Für Fragen und Anregungen stehe ich Ihnen gerne zur Verfügung.

Mit herzlichen Grüßen

Myriam Götze
Geschäftsführende Inhaberin, Dipl. Betriebsw. (FH)
G.o.p.a.L. Training & Coaching e.K.
Waldheimer Straße 22
63165 Mühlheim am Main
Telefon: 06108 823640
Mobil: 0179 6675451
Telefax: 06108 823641
E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
Internet: www.gopal-training.de

 


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